Bericht vom Sommerausflug 2016

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Der diesjährige Sommerausflug des Oberbergischen Blinden- und Sehbehindertenvereins e.V. fand am Samstag, dem 06. August statt. Wie von den Mitgliedern bei der JHV abgestimmt war das Ziel die Straußenfarm Gemarkenhof in Remagen.


Foto 1: Zeichnung eines Straussenpaars

Morgens ab 7.30 Uhr ging es los. Der Bus fuhr die gewohnten Sammelpunkte Bergneustadt, Gummersbach und Wiehl an. Schließlich waren insgesamt 27 Personen an Bord, die der erste Vorsitzende vor der Weiterfahrt begrüßte.

 

Pünktlich trafen wir bei der Straußenfarm ein, denn für 10.00 Uhr war die Besichtigung des Geländes angemeldet. Daher bestieg die Gruppe das firmeneigene Bähnchen, mit dem das riesige Areal von ca. 250.000 qm erkundet wurde.

 

Auf der Farm leben zwischen 500 und 600 Tieren. Am ersten Haltepunkt standen nur drei Tiere auf einer Weide. Zwei Hennen und ein Hahn. Sie sorgen für den Nachwuchs. Da die Eier natürlich nicht bei den Tieren verbleiben, müssen sie aus dem Nest genommen werden. Dies kann gefährlich werden, da der Hahn angriffslustig wird, wenn es um seinen Nachwuchs geht.


Foto 2: Gruppe vor dem Bähnchen am ersten Halt

Beim zweiten Halt gab es eine ca. 250 Tiere große Herde zu sehen. Diese Straußen waren zwischen einem und zwei Jahren alt. Aus dieser Herde werden immer wieder Tiere herausgenommen, um sie zu schlachten. Die Farm wird ausschließlich als Schlachtbetrieb geführt. Von einem 120 kg schweren Tier bleiben nur ca. 30 – 35 kg Fleisch übrig.


Foto 3: Straußengruppe auf der Weide

Beim letzten Halt wurde uns die Brutanlage gezeigt und erklärt. Straußeneier gleichen sich nicht, sind vielmehr immer unterschiedlich in Form, Farbe und Oberflächenstruktur. Die Eier werden mit einem Datum versehen, damit sie rechtzeitig vor dem Schlüpfen entnommen werden können. Diesen letzten Schritt muss das Küken selbst erledigen, der wohl einem regelrechten Todeskampf gleicht. denn irgendwann ist der Sauerstoff im inneren aufgebraucht. Aber nur hierdurch ist das Tier in der Lage, die sehr feste Schale aufzubrechen.


Foto 4: Führer der Gruppe mit jungem Strauß.

Insgesamt waren die vermittelten Informationen sehr beeindruckend. Die Führung war für unseren Personenkreis größtenteils erfassbar, aber leider konnte nichts abgetastet werden.

 

Im Anschluss gingen wir ins angeschlossene Restaurant. Dort stand ein umfangreiches Straußenbüffet für uns bereit. Die Chefin erläuterte das Angebot und wünschte einen guten Appetit.

 

Danach war noch etwas Zeit, um auch den kleinen Lädchen einen Besuch abzustatten. Dort werden Straußenprodukte jeglicher Art verkauft. Nachdem der Ein oder Andere eingekauft hatte, fuhr die Gruppe mit dem Bus zum Rhein. Beim herrlichem Sonnenschein war ein kleiner Verdauungsspaziergang genau das Richtige. Den drei Führhunden gefiel diese Unterbrechung ebenfalls sehr gut.

Foto 5: Mitglieder am Rhein

Nachdem alle wieder im Bus saßen, ging es weiter zum Krewelshof in Lohmar. Dort bildete ein gemeinsames Kaffeetrinken einen schönen Abschluss unter eine rundum gelungene Sommerfahrt.

Foto 6: Blick auf den Krevelshof mit Verkaufsständen im Außenbereich.

Gelungene Orientierungshilfe

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Artikel von Andreas Arnold aus der Oberbergischen Volkszeitung vom 13.04.2016

Blindenverein lobt das Leitsystem am neuen Gummersbacher Bahnhof

Sehen zu können, das ist für die meisten Menschen eine Selbstverständlichkeit. Wer hingegen nur ein eingeschränktes Sehvermögen hat oder völlig blind ist, für den können alltägliche Dinge wie Busfahren zu echten Hürden werden, wie der Vorstand des Oberbergischen Blinden- und Sehbehindertenvereins berichtet.

Damit diese nicht unüberwindbar bleiben, wurde beim Bau des Gummersbacher Busbahnhofs und des benachbarten Bahnhofs darauf geachtet, dass sich auch Menschen mit einem Sehleiden zurecht finden. Dafür sorgen unter anderem sogenannte Aufmerksamkeitsfelder und Leitlinien. Deren besondere Riffelung gibt Sehbehinderten die Möglichkeit, sich mit Hilfe eines Blindenstocks zu orientieren.

„Das Ergebnis ist für uns ein Anlass, der städtischen Ent¬wicklungsgesellschaft und der Stadt einmal Danke zu sagen“, sagte jetzt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Bodo Isenhardt. Im September konnten Vereinsmitglieder den neuen Busbahnhof begehen und auf Schwachstellen untersuchen.
Danach wurde der Entwicklungsgesellschaft eine Mängelliste mit Verbesserungsvorschlägen an die Hand gegeben. „Das waren keine großen Sachen“, sagte Jens Kalkuhl, Kassierer des Blindenvereins. So wurden etwa eine akustische Fahrplanansage oder eine kontrastreiche Markierung der Treppenstufen vermisst. Zudem wurde das Nachrüsten von Aufmerksamkeitsfeldern und Leitlinien angeregt. Werbeaufsteller sollten ferner aus dem Weg geräumt werden, weil sie Hindernisse darstellten. Bei der Entwicklungsgesellschaft nahm man sich dieser Hinweise an und besserte nach.

„Wir als Blindenverein wären froh, wenn wir bei solchen Planungen von Beginn an dabei wären“, sagte Isenhardt. In Gummersbach seien Bahnhof und Busbahnhof noch im Bau gewesen, so dass man noch reagieren konnte.
Manfred Pelzer-Zibler berichtete, dass die Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften nicht ganz einfach gewesen sei: „Für die Leitsysteme gibt es zwei unterschiedliche Normen.“ Und dann komme noch der Interessenkonflikt von Sehbehinderten und Rollstuhlfahrern hinzu, erläuterte Isenhardt. Während Menschen im Rollstuhl am liebsten jede Hürde aus dem Weg geräumt hätten, seien genau diese Hindernisse für sehbehinderte Menschen vielfach wichtig, um sich mit Hilfe eines Stocks orientieren zu können.

Dass sich eine Bordsteinabsenkung für Rollstuhlfahrer und eine parallel verlaufende Leitlinie nicht gegenseitig ausschließen müssen, sieht man am Gummersbacher Busbahnhof. Überrascht und erfreut reagierte der Technische Beigeordnete Jürgen Hefner auf das Dankeschön des Blindenvereins. „Es ist toll, dass wir für unsere Arbeit auch mal ein Lob bekommen.“ Der Anlass gebe es her, sagte Kalkuhl.

Orientierungshilfe

Steicheln bei der Arbeit ist tabu

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Artikel von Katja Pohl aus der Oberbergischen Volkszeitung vom 13.02.2016

Pudel Ronja ist Führhund und nicht nur für ihren Besitzer Bodo Isenhardt etwas Besonderes

Ronjas dunkelgraue Löckchen verlocken dazu, die Hände in ihnen zu vergraben, die Königspudeldame mit Streicheleinheiten zu verwöhnen. Im Haus ist das erlaubt. Die zweijährige Hündin genießt die Zuwendung. Doch jenseits der Haustür wird Ronja zu einer Unberührbaren.

Dort fängt ihre Arbeit an. Ronja ist ein Blindenführhund. Wenn sie ihr Geschirr trägt, muss sie sich auf die Kommandos ihres Besitzers Bodo Isen hardt konzentrieren, denn der 47-Jährige muss sich seinerseits auf Ronja verlassen können. “Die wenigsten Menschen wissen, dass Führhunde bei der Arbeit nicht abgelenkt werden dürfen, doch für mich ist das enorm wichtig. Wenn Ronja etwas übersieht, kann das für uns beide zum Problem werden”, so Isenhardt.

Der stellvertretende Vorsitzende des Oberbergischen Blinden- und Sehbehindertenvereins verlor sein Augenlicht 2001 aufgrund einer Diabetes. Bei der Orientierung halfen ihm zunächst die Familie, mit der er damals noch unter einem Dach lebte, und der Stock, mit dem er Hindernisse ertasten, Bordsteine oder Treppen. “Aber seitdem habe ich auch von einem Führhund geträumt”, sagt er. Ein Hund ermögliche größere Mobilität und ein zügigeres Gehen. Nachdem sich Isenhardts Wohnsituation verändert hatte – er zog mit Lebensgefährtin Christine Wosnitza in ein Haus in Oberwiehl – stellte er 2013 bei der Krankenkasse den Antrag auf einen Führhund. Einen Pudel, da Isenhardts Lebensgefährtin eine Tierhaarallergie hat. Blindenführhunde sind oft Labradore oder Retriever, Pudel sind etwas seltener. Als der Antrag bewilligt wurde, war die Freude groß.

Ein Führhund ist kein Schnäppchen. Ronja hat 27.000 Euro gekostet. Die Summe setzt sich aus der Anschaffung, den Tierarztkosten, denn Führhunde müssen absolut gesund sein, und den Kosten für die Ausbildung zusammen. Ronja wurde in Neuburg an der Donau in Bayern ausgebildet. Ihr erstes Lebensjahr verbrachte sie in einer Patenfamilie, die ihr mit viel Geduld die ersten Kommandos, sogenannte “Hörzeichen” beibrachte. Führhunde können rund 70 Hörzeichen erkennen. Dann kam sie zu Maria und Wolfgang Seitle, deren Blindenführhundschule eine von 20 deutschlandweit ist.

Maria Seitle reiste schließlich zum Feinschliff für zwei Wochen nach Oberwiehl. Hier gingen Isenhardt, Ronja und die Trainerin wichtige Wege ab, ermöglichten der Hündin – sie weiß nicht nur, wo rechts und links ist, sondern auch Zebrastreifen oder Ampeln findet, eine erste Orientierung. Die Gespannprüfung legten Ronja und ihr Besitzer vor zwei Prüfern im Januar erfolgreich ab – jetzt sind sie wirklich eine Einheit. So wie der Vereinsvorsitzende Hans-Jürgen Aha, der mit Labrador Cooper unterwegs ist. In der Küche in Isenhardts Haus hatten die beiden Hunde noch miteinander gespielt, draußen im Geschirr sind die Tiere nur noch für ihre Besitzer da. Aha: “Es gibt eine Liste von Bitten , die wir an die Menschen haben.Es ist ja nicht böse gemeint, wenn wir nicht möchten, dass unsere Hunde gestreichelt werden.” Er bewundert die Vierbeiner. “Diese Hunde haben ein tolles Gedächtnis und sind hochsensibel.”

Blindenführhunde müssen sich auf ihre Arbeit konzentrieren, dürfen also weder gestreichelt, noch gefüttert, noch irgendwie erschreckt werden. Andere Hundebesitzer sollten ihre Tiere zurückhalten und den Blinden mit seinem Führhund zügig umgehen.

Führhunde dürfen Lebensmittelgeschäfte betreten, dafür sollten andere Einkaufende Verständnis haben. Zugestellte Gehwege zwingen Passanten, auf die Straße auszuweichen – auch das kann für einen sehbehinderten Menschen und den Führhund gefährlich werden.
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Foto 1 Bodo Isenhard mit Ronja im Führgeschirr. Im Hintergrund das Holzhaus mit den roten Fenstern

Größere Mobilität ermöglicht Blindenführhund Ronja ihrem Besitzer Bodo Isenhardt. Der 47 Jährige legte die Gespannprüfung mit seiner Königspudeldame vor wenigen Wochen erfolgreich ab. (Fotos: Hoene)